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diese Worte sind eine Kernaussage aus der Rede, die Paulus auf dem Areopag in Athen gehalten hat. Athen war damals ein Zentrum geistiger Aktivitäten und der ständigen Suche nach immer neuen Ideen. Die Einwohner waren den Göttern sehr ergeben. Sie hatten viele Heiligtümer und Altäre für sie aufgebaut. Auf einem dieser Altäre war zu lesen: „dem unbekannten Gott“.

Das nimmt Paulus zum Ausgangspunkt seiner Verkündigung und stellt den Menschen nun den lebendigen Gott vor, welchen die Menschen verehren, ohne ihn zu kennen.

Dieser Gott ist der Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde. „In ihm leben, weben und sind wir“. Er hat die Zeit hier auf der Erde festgesetzt. Eine Zeit, in der die Menschen nach Gott tasten, ihn suchen und finden können – ich füge hinzu: wenn sie das wollen.

Manche mögen sagen: „Gott ist nicht zu finden“. Vielleicht, weil ihr Alltag zu laut und zu voll ist. Vielleicht, weil sie nur an das glauben, was sie sehen können. Vielleicht weil sie wie die Menschen damals in Athen auch meinen, in anderen Göttern das Heil gefunden zu haben.

Doch für Paulus steht felsenfest: „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“

In Römer 1,19 ff. hat der Apostel es bereits schon einmal gesagt:

„Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken, sodass sie keine Entschuldigung haben. Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.“

Gott versteckt sich also nicht, sondern offenbart sich u. a. in seiner Schöpfung. Auch wenn sein Wesen unsichtbar ist, so kann es dennoch wahrgenommen und an seinen Werken erkannt werden, wenn man es von Herzen sehen und erkennen will. Leider sind - damals wie heute - viele Herzen verstockt und unverständig.

Der Monatsvers ist so wohltuend! Es tut so gut, zu wissen, dass Gott da ist. Dass er mir nah ist – hautnah. Dass seine Gegenwart mich einhüllt. Dass ich alles, was ich tue, in ihm tue. Er macht es mir möglich. Jeder Atemzug ist ein Geschenk. 

Ich brauche diesen Zuspruch, diese Gewissheit. Besonders in Situationen, in denen ich mich allein fühle, in denen die Lebenswogen hochschlagen, in denen Gott so weit weg scheint. Ich bin dankbar, dass dieser Gott für mich kein „unbekannter Gott“ ist, auch wenn da ganz sicher noch unendlich Vieles ist, was ich an ihm kennenlernen kann.

Paulus konnte damals nicht alle mit seiner Rede für Gott begeistern. Ich weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn ich seine Worte damals live auf dem Areopag gehört hätte. Wenn ich sie heute lese, dann bin ich jedenfalls begeistert und ergriffen von unserem lebendigen Gott!

Geht dir das auch so?

Sophie Knopp

"Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!" 

Lukas 6, 36

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Barmherzigkeit - Ein seltsames Wort. Irgendwie ein bisschen veraltet und eingestaubt. Ich kann mich nicht erinnern, dieses Wort schon einmal außerhalb der christlichen Szene und der Bibel gehört oder gelesen zu haben.

Außerdem klingt es ziemlich anspruchsvoll. „Tue Gutes!“, scheint es mir zuzurufen. „Sei ein ‚Gutmensch‘! Zu allen freundlich, offenherzig, mitfühlend, empathisch, hilfsbereit!“

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“. Puh, hoher Anspruch! Jesus hat leicht reden. Aber Moment mal... So leicht reden hat er ja gar nicht. Er war schließlich so barmherzig, dass er sogar zum Äußersten gegangen ist und sein Leben für uns gegeben hat. Also er hat wirklich die Barmherzigkeit Gottes im Leben und im Sterben demonstriert!

Und um die Sache mit der Barmherzigkeit wohl noch ein bisschen anspruchsvoller zu gestalten, stellt Jesus seine Aufforderung in Zusammenhang mit der Aussage, dass man seine Feinde lieben soll. Wir sollen also Böses und Ungerechtigkeit am besten mit Geduld, Güte und Liebe beantworten. Nachsichtig sein. Stets vergebungsbereit. Immer wieder aufeinander zugehen. Das Gute im Menschen sehen. Die Wange hinhalten, wenn uns jemand schlägt. Echt jetzt?

Jesus sagt einige Verse später: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel“ (V. 44-45).

Feindesliebe – Das geht nur im Bewusstsein: Ich bin nicht besser als du, der du mir Leid angetan hast. Wir sind beide Sünder und bedürfen der Vergebung Christi. Vielleicht siehst du noch nicht, dass du Jesu Vergebung brauchst und hältst das alles für Humbug. Das heißt aber nicht, dass ich mich mit dir auf eine Stufe stelle und deine Ungerechtigkeit nicht mehr negativ bewerte. Aber es heißt, dass ich mich darauf besinne, dass auch ich im Grunde nur als „gut“ vor Gott dastehen kann, weil Gott mich durch Jesus und seine Tat am Kreuz vergebend ansieht. Ich mache nach wie vor Fehler und verletze andere Menschen, auch wenn ich das nicht will.

Paulus schreibt: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren“ (Römer 5,8). Echte Liebe ist demnach eine bedingungslose Entscheidung, die nicht vom Verhalten meines Gegenübers abhängt. Nichts Geringeres ist gemeint.

In unserer Ego-Gesellschaft scheint Barmherzigkeit nicht mehr im Trend zu sein. Außer vielleicht bei Menschen mit Helfersyndrom, Sozialarbeiter:innen, bei Geistlichen und Christ:innen.

Barmherzigkeit – Dabei brauchen wir sie doch eigentlich alle. Aber lässt sie nicht auch ein unangenehmes Ungleichgewicht entstehen oder verstärkt sie es nicht sogar. Einer ist schwach, hilfsbedürftig und ein anderer ist der Starke, Helfende, Gebende. Wer möchte in dieser Konstellation nicht der oder die Starke sein?

Aber bei echter Barmherzigkeit geht es nicht darum, das Gefälle zwischen Menschen zu verdeutlichen oder zu verstärken. Es geht vielmehr darum, auf das gleiche Level zu kommen und Ungleichheit nach und nach aufzuheben. Dem Mangel abzuhelfen. Augenhöhe ist zentral, wenn man wirklich barmherzig sein will.

Barmherzigkeit hat mit Hilfsbereitschaft zu tun. Damit, dass mich das Leid der Menschen um mich herum nicht kalt lässt. Wörtlich heißt Barmherzigkeit: bei armen Menschen sein.

Da muss ich an ein Lied denken: „Herzen, die kalt sind, wie Hartgeld; Herzen, die kalt sind wie Stein, soll’n wieder Herzen werden, soll‘n wieder Herzen sein. Gottes Liebe geht auf über dir, Gottes Liebe geht auf über dir. Selbst ein Stein wird warm, wenn die Sonne ihn bescheint.“

Das Herz kann abstumpfen. Sozusagen „Armherzigkeit“ statt Barmherzigkeit. Auch das Herz von Christ:innen. Vielleicht aufgrund der Ohnmachtsgefühle angesichts der Not in der Welt. Aber so weit brauchen wir oft gar nicht zu schauen. Leid, finanzielle und soziale Armut, seelische Nöte, gibt es auch in unserem unmittelbaren Umfeld. Es gibt Zerbruch. Familien, die zerrüttet sind. Kinderarmut. Menschen, die einen Mangel in sich haben, der nicht mit Besitz, Geld, o.ä. auszufüllen ist. Selbst hier in unserem Land.

Angesichts der großen Not weltweit, machen wir manchmal innerlich zu, weil sie uns schlicht überfordert und wir nicht wissen, wie wir da helfen können oder wo wir anfangen sollten.

Die Jahreslosung fordert uns auf, unser Herz neu zu öffnen und uns wieder berühren zu lassen. Tief im Inneren, in unserer Schaltzentrale, u

nserem Herzen. Wir sind nicht hilflos. Wir können helfen, indem wir beten und Gott die Menschen, deren Situationen uns bewegen, anbefehlen. Und manchmal können wir auch ganz praktisch oder durch eine Spende helfen. Ich möchte mein Herz offenhalten und Gott fragen, wo er mich gebrauchen will, anderen auf Augenhöhe zu begegnen und ihnen zu helfen. Ich möchte in Situationen der Verletzung, wenn Menschen mir feindselig oder wütend begegnen, klar und in Liebe sagen, was ich davon halte, ihnen vergeben können und den Rest Gott überlassen.

Und ich möchte barmherzig mit mir selbst umgehen. Denn auch da merke ich, dass ich oft hart mit mir selbst ins Gericht gehe.

Ja, Jesu Worte klingen auffordernd, appellierend, anspruchsvoll. Sie können unter Druck setzen. Aber sie setzen uns und unser Leben auch in Beziehung zu unserem Herrn. Sie zeigen uns, dass wir ein Vorbild, einen Vater, haben. Jesus hat „Barmherzigkeit“ in Perfektion gelebt und auch im Sterben demonstriert. Wir sind eingeladen, seinem Vorbild im Leben zu folgen und die Gnade und Barmherzigkeit, die uns geschenkt wurde, weiterzugeben. Vielleicht auch erst einmal mit kleinen Schritten und er wird diese ganz sicher segnen und zu größeren Schritten machen, die wir vielleicht erst in der Rückschau als große Schritte wahrnehmen.

Im Bibelbuch der Sprüche habe ich ein schönes Bild entdeckt. Dort steht:

„Wie sich im Wasser das Angesicht spiegelt, so ein Mensch im Herzen des andern.“

In diesem Sinne lasst uns ein Spiegel der Barmherzigkeit Gottes sein, die er uns durch seinen Sohn Jesus Christus gezeigt hat.

Auf in ein barmherziges Jahr 2021!

Eure / Ihre Sophie Knopp

In diesem Jahr gab es ein Kreativprojekt zum Karfreitag.

Im Online-Gottesdienst zum Gedenken an Jesu Tod am Kreuz haben wir Jesu Leidensweg anhand biblischer Texte, gestalteter Werke von kreativen Menschen aus unserer Gemeinde und passend dazu ausgewählten Liedern nachvollzogen. Beim gemeinsamen Abendmahl wurde uns in besonderer Weise bewusst, dass Jesus sein Leben - seinen Leib und sein Blut - für uns gegeben hat, damit wir von Schuld befreit und mit Gott versöhnt leben können.

 

                   

 

    

   > Bildergalerie zum Kreuzweg

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