Nach deinem Vermögen gib Almosen; auch wenn du nur wenig hast, scheue dich nicht, wenig Almosen zu geben.  (Tobias 4,8 - Luther 2017)

Der Monatsspruch für Oktober ist dem Buch Tobias entnommen, das für evangelische Christen nicht zum biblischen Kanon gehört. Es zählt zu den alttestamentlichen Apokryphen, die Martin Luther bei seiner Übersetzung der Hebräischen Bibel nicht berücksichtigte, weil diese Schriften ausschließlich auf Griechisch und Latein verfasst waren. Die katholische und die orthodoxe Kirche haben hingegen einige dieser Texte fest in ihren alttestamentlichen Kanon aufgenommen.

Auch wenn sich Luther dafür ausspricht, die Apokryphen nicht mit der Heiligen Schrift gleichzusetzen, so hält er diese durchaus für „nützlich und gut zu lesen“. Die Texte geben einen Einblick in die geistige und religiöse Situation des Judentums kurz vor Jesu Kommen auf die Erde, von dem wir dann in den Evangelien des Neuen Testaments lesen.

Der Vers für diesen Monat ist Teil der Ratschläge und Ermahnungen zu einem gottgefälligen und gottesfürchtigen Leben, die der lebenserfahrene Tobias seinem gleichnamigen Sohn für dessen Zukunft mit auf den Weg gibt. Mit diesen Worten bittet Tobias seinen Sohn darum, arme und bedürftige Menschen grundsätzlich zu unterstützen. Die Bereitschaft zum Almosengeben soll nicht davon abhängig sein, wie viel der junge Tobias selbst besitzt. Entsprechend seines Vermögens, soll er stets etwas von seinem Besitz abgeben. Wenn er viel besitzt, so soll er davon reichlich und freimütig geben. Besitzt er hingegen wenig, so soll er das Wenige von Herzen teilen.

Auch für uns setzen diese Worte heute einen wichtigen Maßstab, denn nach wie vor gibt es in dieser Welt viel Armut und Ungerechtigkeit. Besonders als Christen sind wir immer wieder zu mitmenschlichem und solidarischem Handeln aufgefordert. Wir sind beauftragt, uns aktiv für Gerechtigkeit und für das Gemeinwohl einzusetzen. Für Gott ist es dabei nicht entscheidend, wie viel wir geben sondern, dass wir grundsätzlich dazu bereit sind, etwas von unserem Besitz abzugeben und dies auch tun. Er kennt unsere finanziellen Möglichkeiten und er freut sich darüber, wenn wir das, was wir haben dafür einsetzen, dass Gottes Liebe zu seinen Menschen konkret sichtbar und erfahrbar wird.

Anfang Oktober feiern wir Erntedankfest. Das ist ein guter Anlass, sich bewusst zu machen, wie reich uns Gott in unserem Leben beschenkt und gesegnet hat. Wir dürfen uns gemeinsam an Gottes Gaben freuen und wir dürfen sie bereitwillig und großzügig mit unseren Mitmenschen teilen.

Sophie Knopp (efG Geesthacht)

Bild: Wodicka (GEP)

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